Karin Witte
(02.02.1939 – 18.08.2025 in Hamburg)
Malerin
Diestelstraße 7, Hamburg-Ohlstedt (Wohnadresse)
Bestattet auf dem Waldfriedhof Wohldorf-Ohlstedt, Grablage VI 85
Eltern: Tomma Witte, geb. Ande, medizinische Angestellte, Hermann Witte, Maler und Gebrauchsgrafiker
Karin Elsa Emma Witte wuchs gemeinsam mit ihrem älteren Bruder Thomas in Hamburg-Volksdorf auf. Ihr Vater, Hermann Witte, war Maler und schon früh malte und zeichnete auch Karin beeindruckende Bilder.
In den 50ziger-Jahren erwarb und bebaute die Familie das Grundstück in der Diestelstraße 7.
Karin Witte wollte Malerin werden wie ihr Vater. Aber nach dem Krieg hatte kaum jemand Geld für Kunst, so dass sich Hermann Witte als Kunstmaler für Werbung verdingte und seiner Tochter verbot, Malerin zu werden. „Damit verdient man kein Geld“ gab er seine Erfahrung weiter.
Karin Witte absolvierte deshalb zunächst eine Ausbildung im Damenschneiderhandwerk. Über den Textilentwurf fand sie schließlich ihren Weg an die Hochschule für bildende Künste Hamburg. Dort studierte sie Stoffentwurf, Malerei, Zeichnung und Radiertechnik bei Willem Grimm und Paul Wunderlich; das Aktzeichnen bei Gustav Seitz wurde für ihre künstlerische Entwicklung besonders prägend.
Karin Witte entschied sich früh für die Zeichnung als Fundament des Sehens. Daraus entwickelte sie ihre Malerei und – als Fortsetzung der Linie – die Druckgrafik.
Als sie 20 Jahre alt war, nahm sich ihr Bruder das Leben. Das war fürchterlich für Karin Witte und blieb es bis zu ihrem Tod.
Mehrere Jahre lebte und arbeitete Karin Witte im südfranzösischen Miramas. Dort zeichnete und malte sie, was sie umgab: Menschen in Cafés, Straßenszenen, Landschaften und Situationen des alltäglichen Lebens.
Die unmittelbare Beobachtung blieb auch nach ihrer Rückkehr nach Hamburg ein wesentlicher Ausgangspunkt ihres künstlerischen Schaffens. Hier entwickelte sie eine kontinuierliche Ausstellungstätigkeit. Zugleich lehrte sie von 1978 bis 1987 an der Fachhochschule Hamburg und gründete 1981 ihre Malschule, zunächst in der Marktstraße 138. Später setzte sie ihre Lehrtätigkeit in ihrem Atelier in der Diestelstraße 7 fort. Der Atelieranbau wurde von dem Hamburger Architekten Volkwin Marg nach den ihren Vorstellungen entworfen. Über viele Jahre wurde die Malschule zu einem wichtigen Ort künstlerischer Ausbildung und des Austauschs.
Karin Witte wurde eine weithin anerkannte Malerin. Für ihr künstlerisches Schaffen erhielt sie 1974 den Edwin-Scharff-Preis, 1982 die Berufung in die Freie Akademie der Künste und 2008 die Aufnahme in den Deutschen Künstlerbund.
Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Figuration und Abstraktion. Figuren, Puppen und Masken gehören zu den wiederkehrenden Motiven ihres Werks, ebenso wie Radierungen von großer zeichnerischer Präzision.
Arbeiten von ihr wurden in zahllosen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt und befinden sich unter anderem in der Hamburger Kunsthalle, im Kupferstich-Kabinett Dresden, in den schleswig-holsteinischen Landesmuseen Schloss Gottorf, im St. Annen-Museum Lübeck sowie in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen.
Karin Witte malte in Freiheit, gestaltete, sah, was andere nicht sehen konnten. Sie gestaltete die Wirklichkeit, ohne sie preiszugeben.
In all dem war sie auch eitel, als „Malschwein“ - wie sie sich selbst bezeichnete - trug sie mit Farbe bekleckerte Kleidung aber außerhalb davon war sie ausgesprochen schick gekleidet und hatte natürlich auch viel Selbstgeschneidertes.
Karin Witte malte an ganz unterschiedlichen Orten. Sie setzte sich an den Straßenrand und malte. Daneben stellte sie ein Schild auf „Bitte nicht fotografieren, das stört beim Malen“. Sie saß im Hühnerstall, am Rand der Bühne des Hansatheaters oder auf dem Hamburger Dom und hat gemalt.
Wie sie arbeitete, hat Karin Witte selbst beschrieben:
„Das Unerwartete hatte mich aufs Ganze herausgefordert, überrumpelt und schließlich besiegt. Es war einfach da - das, von dem ich nichts weiß. Namenlos, nicht ver- oder bekleidet, vollkommen neu. Könnte ich es mir doch herbeiwünschen! – Aber es geschieht nur aus sich selbst."
Auch die Musik und der Tanz waren wichtige Ausdrucksmittel für sie. Sie spielte Gitarre und konnte selbstvergessen Flamenco tanzen. Ganz im Hier und Jetzt, in den Augenblick versunken. Zu ihrem 80. Geburtstag widmete ihr das Kloster Cismar 2019 die große Ausstellung Manchmal wie tanzen.
Ihr Wunsch war es, im Grab ihrer Eltern und ihres Bruders beigesetzt zu werden. Auf ihrem Grabstein wird heute an sie alle gedacht.
Von Karin Witte bleiben unzählige Werke, Bilder und Glasarbeiten. Sie hat immer gesagt, das seien ihre Kinder.
Den Kernbestand ihrer Werke schenkte Karin Witte bereits zu Lebzeiten dem Forum für Künstlernachlässe e.V. in Hamburg, so dass ihre Bilder auch weiterhin zu sehen sein werden.
Die Stiftung Forum für Künstlernachlässe wird das Grundstück und alle weiteren Werke dieser wundervollen Malerin übernehmen und das Atelier weiterführen. Dort werden nach Karin Wittes letztem Willen junge begabte Künstler*innen arbeiten können.
Tomke Ande, Hamburg im Juli 2026